7.4.05

gefunden bei NEON.de
Ich kann jeden Satz unterschreiben.
Da ging es jemandem zur selben Zeit genau wie mir, schon komisch.

Artikel von dani. / User

Der Papst ist tot-irgendwie trifft es mich

04/04/05 | 20:24
Eigentlich war er für mich immer ein alter Mann mit hinterwäldlerischen Ansichten. Im Fernsehen sehe ich ein andres Bild und bin tief betroffen.

Auf dem Papier bin ich Katholikin. Viel mehr nicht. Ab und zu gehe ich an Weihnachten in die Kirche-meiner Oma zu Liebe.
Der Papst war für mich nie wichtig. Er war halt da. Er hatte Ansichten, die für mich ins Mittelalter gehörten, war ein alter Mann, der sich meiner Meinung nach zur Ruhe setzten sollte. Jetzt ist er tot. Das Fernsehen ist voll von Bildern eines Mannes, den ich so nicht kenne. Ein aktiver Mann Ende 50, ein Mann der Menschen aller Religionen, jeder politschen Strömung empfängt, ein Mann der so viele Menschen versammeln kann, wie es der größte Popstar nicht vermag. Ich höre Dinge, die mich stören. Über Verhütung und Sexualität, über Frauen. Aber ich höre auch, dass alle Menschen miteinander auskommen sollen, dass man sich nicht wegen Hautfarbe, usw. ausgrenzen bekriegen sollte.
Sympathie wird in mir geweckt. Der Todeskampf. Ich sehe Bilder von einem Mann, der in aller Öffentlichkeit mit dem Tode ringt. Als er verzweifelt versucht die Menschen zu segnen laufen plötzlich Tränen über mein Gesicht. Ich kann diesen Mann nur bemitleiden angesichts seines Leidens und bewundern angesichts seiner Stärke, seines Glaubens. Als die Nachricht seines Todes kommt läuten auch in meiner Heimat die Kirchenglocken. Irgendwie bin ich bestürzt, ich bin berührt, ich bin traurig-und ich weiß nicht genau warum. Nie hat mich der Vatikan sonderlich interessiert. Vielleicht auch deshalb, weil man mir früher einmal Bilder des jüngeren gesunden Papstes hätte zeigen sollen. Wahrscheinlich, weil man zumindest während seiner Kindheit doch irgendwie im Glauben gefestigt wird, im Inneren eine Beziehung dazu hat. Sicher, weil plötzlich etwas fehlt, das einfach immer da war, das ich, weil es selbstverständlich war nicht wirklich wahrgenommen habe. Überall ist die Rede von Kardinälen, vom Konclave. Für mich und sicher viele meiner Generation, ist das Wort Papst untrennbar mit dem Namen Johannes Paul II. verbunden.

4 Comments:

Blogger fab1An said...

:-|
Wart's mal ab, den größten Teil deines Lebens hast du noch vor dir (behaupte ich einfach mal)

8:15 PM  
Blogger blogglik™ said...

Nun ja, das Wort KANZLER war auch immer mit Helmut Kohl verbunden, aber simma doch mal ehrlich …

Auch die Kirche muss sich im Zeitalter von AIDS deutlich umorientieren. Sonst wird sie eine überalterte Sekte bleiben, deren Grundidee gut, aber deren Umsetzung über 2000 Jahre pervertiert worden ist.

9:28 PM  
Anonymous Anonym said...

2000 Jahre pervertiert? 1800 würde ich zustimmen aber langsam kommt es doch :-) Gut Ding braucht Weile. Julia hat schon recht mit den Fanmassen, die kein Popstar erreicht. Soll mal jemand versuchen über den Zeitraum in der heutigen Zeit soviele Menschen bei einer Idee zu halten. Ich bin jedenfalls froh, dass es nicht Madonnas Sekte ist, die so einen Zulauf hat.

1:17 PM  
Anonymous Anonym said...

Meine erste Erinnerung an den Papst war sein Papamobil. Diess unsägliche Golfcaddy-Gefährt mit dem Glaspanoramaaufbau.

1:18 PM  

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